Stille Gelassenheit im Nur Sitzen
Eine übungsfreie Meditationsform, Beschreibung, Audio und Audio-Download (Seite 3). Ich verwende dazu die Ausdrücke „Gelassenheit“ und „Gewahrsein“ je nach dem gerade gegebenen Zusammenhang als gleichwertig, wobei Gewahrsein mehr in theoretischen und Gelassenheit mehr praktischen Beschreibungen Verwendung findet.
Was ich nachfolgend anzuleiten versuche ist eine Anleitung für eine stille Meditation, die für Menschen geeignet ist, die einerseits über eine verfeinerte Körperwahrnehmung sprich das Fühlen von Körper und Energie verfügen und diese nutzen und andererseits der Anatta-Lehre [1. Anatta oder Anātman ist ein Schlüsselbegriff der buddhistischen Lehre. Damit ist grob gemeint, dass keine Existenz ein festes, unveränderliches und unabhängiges Selbst hat. Mit der Anatta-Lehre positionierte sich Buddha gegen die Ātman-Lehre hinduistischer Prägung, oder zumindest gewisse Interpretationen davon. Wikipedia (DE)] folgen möchten, die besagt, das alles Existierende „leer“ ist, um in stiller Form zu meditieren. Die Stille Meditation ist eine Form, die keine definierten Inhalte verfolgt und sozusagen alles so belässt, wie es nun einmal gerade ist. Es ist also, mental betrachtet, eine Form ohne Formvorgabe. Allerdings ist wie in allen Praktiken der Meditation der Körper in all seinen Prägungen vorhanden, kann also nicht abgelegt werden. Das heißt, das alle Sinne einschließlich des Denkens präsent bleiben und auch wahrgenommen werden können/müssen.
Es gibt in vielen Beschreibungen der Meditation die häufig vertretene Aufforderungen, das Denken abzustellen und/oder weiterführend sogar die Welt in ihrer Wahrnehmung zeitweise (für die Dauer der Meditation) zu entfernen. Das ist, in dieser Form ausgedrückt, meiner Ansicht nach nicht möglich und auch gar nicht erstrebenswert. In meiner Praxis sind alle Sinne, Körpergefühl, Sehen, (Auch geschlossene Augen liefern ein Bild), Hören, Riechen (Räucherstäbchen), Schmecken (Der Morgenkaffee in Nachhall) als auch das Denken permanent anwesend. Meine Intension dafür ist, um es vorsichtig auszudrücken, nicht das Abstellen der Sinne und des Denkens, sondern vielmehr deren Wahrnehmung ohne fortführende, wertende oder ordnende Gedanken dazu zu generieren. Die Sinne und das Denken sind dabei mehr wie ein Film, der in uns abläuft und dessen Inhalte weder benannt, bewertet noch in sonst einer Weise weitergeführt werden. So wird das überfliegende Flugzeug nicht als „Flugzeug“, sondern nur wortlos als ein Geräusch wahrgenommen, das keinerlei Namen zugewiesen bekommt. Geräusche denkend einzuordnen ist erlernt und daher jederzeit formbar. Gleiches gilt für Sehen, Hören, Schmecken und Riechen. Die Körperwahrnehmung hat in meiner Wahrnehmung einen Sonderstatus, da sie direkt mit dem Sitzen verbunden ist. Die aufgerichtete Körperhaltung ist aus energetischen Gründen eine Grundvoraussetzung für angenehmes Sitzen. Leider sind mannigfache Gewohnheiten so stark im Körper präsent, das das Sitzen sich im Laufe einer Sitzdauer zu einer unangenehmen sprich unenergetischen Haltung verformen kann und daher öfters Mal korrigiert werden muss. Wie das dann vor sich gehen kann, wird später in der Anleitung genauer beschrieben. Ebenfalls eine Sonderstellung hat das Denken in dieser Meditationsform inne, da hier die Gedanken ja bereits namensgebend ausgeformt sind. Sie werden daher lediglich registriert sprich wahrgenommen, aber nicht weiter verfolgt. Der Gedanke zum Beispiel „Ich muss Brot kaufen gehen“ wird in der Meditation dankend angenommen, für später abgespeichert und nicht weiter verfolgt. Es wird also nicht zur üblichen Überlegung weitergegangen, wo das Brot zu kaufen sei, welches ich wählen werde und so weiter. Der Gedanke steht für sich, Punkt. Werden diese Einstellungen in der Meditation erfolgreich verfolgt, nenne ich diesen Zustand in der mentalen Betrachtung ein „Stilles Gewahrsein“ und in der körperlichen Praxis ein „Nur Sitzen“. Beides zusammen ergibt dann die Kurzform, die ich als Namen für diese Weise der Meditation gewählt habe: „Stilles Gewahrsein im Nur Sitzen“.
Exkurs: Stilles Gewahrsein im Sitzen
Eine Recherche in Brave mit KI-Unterstützung
Das Konzept des „stilles Gewahrseins im Nur Sitzen“ ist eng mit der Meditation und dem Zen-Buddhismus verbunden. Im Zen-Weg wird das Shikantaza, was schlicht „wirklich einfach nur Sitzen“ bedeutet, von zentraler Bedeutung gegeben. Es wird weniger von „Meditation“ als von „Sitzen“ gesprochen, was den Anspruch reduziert und die Meditation auf das reduziert, was wir tatsächlich tun können.
B. J. bietet in Bielefeld eine Gruppe an, bei der es um gemeinsames stilles Sitzen ohne Ritual und Lehrende geht. Das Ziel ist es, Achtsamkeit zu bemühen und die anderen möglichst wenig zu stören. Die Sitzrunden dauern jeweils 25 Minuten und werden durch fünf Minuten Gehpause unterbrochen.
In der Meditation des Zen-Weges wird betont, dass Ruhe finden nicht von äußeren Bedingungen abhängt. Die Ruhe finden bedeutet ein vollständiges Gewahrsein für das, was ist, und dass die immer in uns selbst zu finden ist.
Sitzen in Stille: Gemeinsames stilles Sitzen ohne Ritual und Lehrende, das Achtsamkeit fördert.
Shinkantasa: Einfach nur Sitzen, das Meditation auf das reduziert, was wir tun können.
Meditation im Zen-Weg: Betonung auf das vollständige Gewahrsein für das, was ist, und die Erkenntnis, dass die Stille in uns selbst zu finden ist.
Diese Praktiken zielen darauf ab, den Geist zu beruhigen und Achtsamkeit zu fördern, um das aktuelle Bewusstsein zu verstärken.
Quellen
de.wikipedia.org / Akathisie – Wikipedia
de.m.wikipedia.org / Stille – Wikipedia
amazon.de / Medizin aus der Stille: Amidon, Elias: Kraft und Weite im Gewahrsein erfahren
heilnetz-owl.de / Sitzen in Stille: Gewahrsein ohne Religion und Ritual | Heilnetz OWL
fr.de / Meditation: Die Suche nach der Stille
Was ist „Nur Sitzen“?
„Nur Sitzen“ ist keine Beschreibung, sondern eine Anweisung bzw. ein Vorschlag, was in der Zeit des Sitzens/Meditierens von Bedeutung sein soll/kann/muss. Das beruht darauf, das die Sitzhaltung, wie immer sie auch ausgestattet ist, immer bequem und mühelos sein sollte. Da es nicht selbstverständlich ist, dieses über eine Dauer aufrechtzuerhalten, sondern der Körper gerne in unfunktionale Sitzweisen überzugehen pflegt, sagt die Anweisung, das die Korrektur der Sitzhaltung das einzige Motiv ist, das diese Weise der Meditation zulässt. Der Sitzende geht, wenn er die Unbequemlichkeit, die immer auch ein Verlust an energetischer Anbindung bedeutet, entdeckt, dann ganz geruhsam und leise in die bequeme Form zurück. Meist gibt der untere Rücken in der Gewohnheit, eine Lehne hinter sich zu finden, nach hinten unten nach und die aufrechte Haltung beginnt erst zu „buckeln“ und dann in sich zusammen zu sinken. Die Mittel, die diese Korrektur auslösen können, sind vielfältig. Nahezu alle haben als Essenz die Ausrichtung zur Erde als Inhalt. Zur Erde ausrichten heißt die Sitzknochen als aktiv sitzend wahrzunehmen. Der Übende kehrt ganz Langsam (langsamer als Zeitlupe) mittels Bhanda oder Muskelaktivität zur Aufrichtung auf den Grad des Sitzknochen zurück und balanciert sich dort aus. Dabei werden energetische Wege geöffnet, die automatisch zur Aufrichtung von Kopf und Rücken führen und die die Wirbelsäule in eine Bequemlichkeit zurückkehren lässt.
Was ist „Stille Gelassenheit bzw. Stilles Gewahrsein“?
„Stille Gelassenheit“ beschreibt die mentale Haltung innerhalb der Meditation zu den nicht still sein könnenden Sinneswahrnehmungen einschließlich des Denken. Der Übende befindet sich in einer Form, die alles zulässt und nichts ausschließt oder zurückhält. Sowohl die fünf Sinne als auch das Denken bleiben aktiv und ungebunden. Ihre Inhalte sind wie sie sind. Kein Filter, kein Zurückhalten und auch kein Wünschen greift in das natürliche Geschehen ein. Das Wort Stille bezieht sich darauf, das mein Bewusstsein auf die Ausübung erlernter Ordnungsweisen verzichtet und Sinneswahrnehmungen als das belässt, was sie wirklich sind. Beim Hören ist das Geräusch, das ein überfliegendes Flugzeug verursacht, nur die Wellenbewegung der Luft. In der deutschen Sprache nennen wir das ein Geräusch (neutral) oder Lärm (auf etwas bezogen und unerwünscht). In der Meditation nehmen wir nur die Wellenbewegung als Hören wahr. Die Ursache dazu und unsere Bewertung darüber interessieren hier nicht. Stille bedeutet hier also nur, in der Wahrnehmung zu bleiben. Mit den anderen vier Sinnen verfahren wir ebenso. Beim Denken waren die erwähnten Ordnungsweisen bereits aktiv, um Gedanken zu bilden. Diese bilden einem Film ähnlich einem dichten Geflecht in der Masse aller Wahrnehmungen. Aber es gibt auch Gedanken, die haften, sich festsetzen und die nicht im Fluss der Geschehnisse weiterfließen. Hier kann der Übende entweder nur abwarten, bis der verweilende und in Anspruch nehmende Gedanke sich zurückzieht oder er wechselt den Fokus auf eine andere Sinneswahrnehmung wie zum Beispiel das Körpergefühl des Sitzens und verweilt dort. Auch die Konzentration auf das Bild vor den Augen (Das geht auch, wenn sie geschlossen sind) ist möglich. Nach einer Weile kehrt er dann zur „Stillen Gelassenheit“ zurück. Meist wird der haftende Gedanke dann schon nicht mehr anwesend sein. Auch in der Problematik des Denkens heißt es also, in der Praxis der Meditation nicht in den Gedankenfluss einzugreifen. Stille heißt also nicht eingreifen. Gelassenheit bedeutet, sich weder zu ärgern noch sich zu freuen, sondern hinzunehmen, was da ist und nicht abgestellt werden kann.
Was ist der häufig verwendete „Ich-Gedanke“?
In sehr vielen Beschreibungen der Meditation hat der Ich-Gedanke ein sehr hohen und meist negativ besetzten Stellenwert.
Exkurs: Der Ich-Gedanke [1. aus www.anthrolexus.de/Topas/6330.html (Anthroposophie, die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners)]
Eine Wirklichkeit ist der Ich-Gedanke nicht, denn eine Wirklichkeit könnte nicht so verschwinden, wie der Ich-Gedanke im Schlafe verschwindet.
Einen Gedanken meditiert (jeder) Mensch – das ist der Gedanke des Ich. Der Gedanke des Ich wird nämlich immer so gefasst, dass er leibfrei gefasst wird. Und insofern wir mit unserem Ich ein Verhältnis zur Welt haben, werden auch gewisse Dinge, die mit unserem Ich zusammenhängen, wenn es auch der Mensch nicht merkt im Leben, so gedacht, dass sie eben, ich möchte sagen, wie Zweige an einem Baume sind.
Wenn wir bedenken, dass der Mensch das zurücklässt und im Grunde die ganzen Erlebnisse in dem drinnen sind, was er zurücklässt, und dass das bleibt, so werden wir auch einsehen, dass, wenn der Mensch durch die Zeit hindurchgegangen ist, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt, und wieder herunterkommt auf die Erde –, dass er dann noch im Weltenäther drinnen das vorfindet, was er da zurückgelassen hat. Da haben wir das real, wie sich Karma bewirkt. Es ist ja da dasjenige, was der Mensch erzeugt hat als sein Gespenst und was auf ihn nun wirkt und im Zusammenhang mit dem späteren Leben eben das bildet, was im Karma sich abspielt.
Die Erkenntnisart, die da aufsteigt durch die Imagination und Inspiration zur Intuition, die gibt die Möglichkeit, wirklich schon, wie man Spiegelbilder sieht, bildhaft das menschliche Leben zu überschauen, dabei aber doch in die eigentliche Wirklichkeit dieses Lebens einzudringen.
Unbewusst gehen vom sinnlichkeitsfreien Denken Imaginationen in denjenigen Teil der menschlichen Wesenheit, der eingebettet ist in den Extremitätenteil, und gehen von dort hinaus in die Zukunft. Was im gegenwärtigen Ichbewusstsein lebt, das zerstäubt; das wird erst, indem es zukünftig ist, aus diesem Zerstäuben befreit. Das sieht man gerade, wenn man die Sache weiter verfolgt. Denn man hat jetzt ein Dreifaches in der Menschennatur, nämlich das, was die drei Glieder des menschlichen ewigen Wesens sind: Das Vergangene, vor der Erdenverkörperung Liegende, das sich in die unbewusste Inspiration des Organismus hereinlebt; dann das, was während des Erdenlebens erlebt wird in der unbewussten Intuition; und drittens das, was vorgefühlt wird als Wesenheit des Menschen nach dem Tode in der Imagination. Das sind drei Glieder des menschlichen Wesens, und sie wirken im Menschen immer zusammen.
Ich habe diese Zitate ausgewählt, weil sie in einer einzigen Website und an einer einzigen Weltvorstellung aufzeigen, welche Vorstellungen in der Menschheit Gang und Gäbe sind. Es gibt also „eine Wesenheit“, man könnte sie auch Seele nennen, die durch Immagination, Inspiration und Intuition geschaffen „durch die Zeit“ geht und dort Spuren im „Weltäther“ hinterlässt, die sich im Zukünftigen „aus dem Zerstäuben“ befreien und somit im neuen Leben greifbar werden wird. Und all das geschieht durch den Ich-Gedanken, der keine Wirklichkeit haben kann, da er ja „im Schlafe verschwindet“.
Zunächst einmal, um Hui Neng in seinem bekannten Gedicht nachzuahmen, wissen wir nicht, ob es Wesenheiten oder Seelen überhaupt gibt. Dann werden Imagination [2. Imagination ist synonym mit Einbildung, Einbildungskraft, Phantasie. Darunter wird die psychische Fähigkeit verstanden, sinnlich nicht gegenwärtige sogenannte innere Bilder im Geiste zu entwickeln oder sich an solche zu erinnern, sie zu kombinieren und diese mit dem inneren geistigen Auge anschaulich wahrzunehmen. Der Imagination fehlt der Realitätscharakter, d. h. Wikipedia (DE)], Inspiration [3. Unter Inspiration versteht man allgemeinsprachlich eine Eingebung, etwa einen unerwarteten Einfall oder einen Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität. Wikipedia (DE)] und Intuition [4. Intuition ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen. Intuition ist ein Teil kreativer Entwwahrseinicklungen. Wikipedia (DE)] ja als Geistesaktivitäten beschrieben, die abseits des Realitätsbezuges stattfinden und die oft mit Phantasie, einer Idee oder einer wie immer gegründeten Einsicht verbunden sind. Von der Existenz eines Weltäthers oder eines Arten- oder lebensübergreifenden Feldes, aus dem das neue Leben sich orientiert, wird zwar schon seit JH gemunkelt, bewiesen oder gar belegt aber kann das nicht werden. Und der Ich-Gedanke ist eine Illusion, die sich aus verschiedenen Geistesbewegungen ständig neu bildet und existiert mehr als Prozess den als Fixum. Sich darauf zu berufen ist gewagt. Anders formuliert ist die Existenz von Äther und Seele mit Zweifel behaftet, ein Leben nach dem Tode zweifelhaft und wahre Kenntnisse über die Lebenshintergründe sind schlicht nicht vorhanden.
Der Ich-Gedanke ist notwendig, um innerhalb einer Gemeinschaft kommunizieren zu können. Er ist keine Wesenheit, keine Seele oder Atman noch sonst irgendwie greifbar. Er ist mehr ein Produkt aus Sinneseindrücken, Erfahrungen und Erleben, das sich immer neu bildet und niemals als abgeschlossen gesehen werden kann und wird von mir mehr als eine Form der Strategie angesehen, ohne den ein Überleben als Mensch nicht möglich gewesen wäre. Das ist weder gut noch schlecht, sondern einfach da. Mehr dazu zu sagen wäre vermessen. Ich ist einfach gerade jetzt das, was diese Buchstaben auf einer Tastatur anspricht und versucht, seine Gedanken in Schriftform niederzulegen. Ein Prozess endet, wenn die Bedingungen, die zum Prozess beitragen, verstummen. Als Ich nach dem Tode zurückzukehren ist daher maximal unwahrscheinlich.
Die Umgebung und Form des Sitzens
Der Platz des Sitzens sollte sauber, angenehm und vor allem frei von Störungen sein. Zum Sitzen eignen sich Kissen, Hocker oder Stühle, die zumindest über eine weiche und wärmende Sitzfläche verfügen. Der Raum sollte warm und die Kleidung der Temperatur angemessen sein. Eine Decke oder ein Umhang kann zusätzlich Wärme bringen. Frieren sollte auf jeden Fall vermieden werden. Meine Anleitung wird sich auf das kreuzbeinige Sitzen [6. Lotus, halber Lotus, Orientsitz, Schneidersitz] auf einem gut gefüllten Kissen ausrichten, das auf einer Meditationsmatte platziert ist und den Knien ermöglicht, auf dem Boden zu ruhen. Das Gesäß nutzt die nach vorne abfallende Oberseite des Kissens als Sitzfläche. Die Haltung, die sich darauf aufbaut, ist leicht nach vorne geneigt, ruht dabei genau spürbar auf der Kante der Sitzknochen und erzeugt durch diese Erdung einen Bewegungsstrom, der sowohl den Brustkorb als auch die Kopf-Hals-Nackenstruktur permanent aufrichtet. Ich benenne diesen Bewegungsstrom wie im Yoga mit dem Wort Prana. Die Augen können wahlweise geschlossen oder halb geöffnet sein, und es empfiehlt sich die Augen peripher [7. Peripheres Sehen ist unsere Fähigkeit, aus dem Augenwinkel zu sehen. Das bedeutet, dass wir Dinge außerhalb unseres direkten Blickfelds sehen können, ohne den Kopf drehen zu müssen. Es ist in etwa der Blick , den wir einnehmen, wenn wir zum Horizont aufblicken.] einzustellen. Das hilft, permanent wach zu bleiben. Die Beine sind abgelegt, der Bauch bleibt entspannt und locker und die Hände falten sich im Dhyana-Mudra [Die Fingerglieder liegen mit dem Handrücken nach unten aufeinander im Schoß und die Daumenspitzen berühren sich permanent sanft.]. Die Meditations-App auf dem Handy (Flugmodus) stelle man auf 26 min ein, wobei die erste Minute durchaus noch zur Sitzeinrichtung genutzt werden kann. Es kann hilfreich sein, ein Taschentuch griffbereit zu haben. Wenn Sitz, Haltung, Decke und Kissen platziert und eingerichtet sind, wird die Uhr gestartet und das Sitzen in Gewahrsein beginnt.
Soweit zum Zeitpunkt jetzt die Erläuterungen der Begriffe, mit denen ich „Das Stille Gewahrsein Im Nur Sitzen“ zu beschreiben versuche. Nachfolgend führe ich mit einer Audio-Aufnahme durch eine erste Sitzung. Bei deren Verwendung ist keine Uhr nötig. Ich werde im Audio das Ende benennen. Ich erwähne die Uhr im Audio trotzdem, da ich denke, das sie dieses Audio nach wenigen Versuchen nur mehr von Zeit zu Zeit benötigen werden und meist einfach nur still sitzen wollen. Vielleicht lesen Sie den Text dazu einfach vor dem Sitzen mal kurz durch, um sich zu erinnern. Es folgt erst der Audiozugang und darunter der Text des Audios ohne Wiederholungen:
Meditationsanleitung zum Sitzen in Stiller Gelassenheit
Sie haben ihren Platz eingenommen, eingerichtet und das Sitzen mit dem Starten der Uhr begonnen. Schauen Sie nach dem Sitz, der Erdung, dem Pranastrom und korrigieren Sie wenn nötig. Versichern Sie sich weiterhin der Augenhaltung, der Handhaltung und der Weichheit ihres Bauches.
Sitzen ist die einzige Tätigkeit, die zu tun ist. Sitzen Sie, fest und mühelos. Sie hören jedes Geräusch, Sie sehen immer ein Bild und fühlen immer ihren Körper. Der Pranastrom formt ihre Haltung, der Atem ist ruhig und gleichmäßig. Sie müssen nichts tun. Alles ist gut so wie es ist.
Es gibt keine Konzentration in dieser Weise zu sitzen. Entspannen Sie sich. Alles darf sein. Geben Sie dem Wahrgenommenen keine Namen. Auch ein Gedanke darf Sie erreichen. Schauen Sie, was er sagt, antworten Sie mit „Danke“ und kehren Sie zum Gewahrsein zurück.
Verkrampfen Sie sich nicht. Sitzen Sie locker und geerdet. Sie müssen nichts tun. Alles ist wie es ist. Punkt.
Schauen Sie nach Sitz und Haltung. Korrigieren sie, indem Sie die Erdung betonen und so dem Prana erlauben aufzusteigen. Schauen Sie nach den Augen und den Händen und korrigieren sie wenn nötig sanft, langsam und leise.
Alles darf sein. Werten Sie nicht. Vermeiden Sie Namen. Motivieren Sie sich nicht mit Gedanken. Sitzen Sie um des Sitzens willen.
Kein Gedanke ist schlecht. Bedanken Sie sich und gut. Lassen Sie das Prana fließen. Eilen Sie nicht. Alles ist gut so wie es ist.
Zeit spielt keine Rolle. Die Dauer der Übung ist eingestellt. Die Uhr wird Sie informieren. Ignorieren Sie die Ungeduld. Ungeduld zeitigt nur langsamer laufende Zeit. Das alles hat keine Bedeutung. Bleiben Sie sitzen, bleiben sie wach, bleiben Sie offen.
Schauen Sie nach Sitz und Haltung, Händen und Augen. Bleiben Sie geerdet, bleiben Sie im Pranastrom, die Hände sind abgelegt, die Daumen berühren sich, der Blick auch hinter geschlossenen Lidern schaut in die Ferne.
Jeder Gedanke ist gut, bedanken Sie sich dafür. Auch ein schmerzhaftes Gefühl ist gut. Lösen Sie langsam, kurz und sanft die schmerzende Stelle durch inneres Aktivieren. Entspannen Sie sich und genießen Sie den Pranastrom. Aktivieren Sie dann kurz ihren Atem. Bleiben Sie wach und entschlossen.
Geben Sie sich der Entspannung hin. Es gibt nichts zu tun außer sitzen zu bleiben. Die Sinne, die Gedanken bilden den immerwährenden Strom des körperlichen und mentalen Lebens. Es ist gut so wie es ist.
Die Dauer der Meditation ist jetzt beendet. Lockern Sie Sitz und Haltung. Schauen Sie dann erst, ob Sie aufstehen können und tun Sie das bewusst. Lassen Sie mögliche Inhalte des Sitzens hinter sich. Genießen Sie den Tag oder auch die kommende nächste Sitzrunde. Sie haben nichts verpasst und nichts gewonnen? Dann war es ein gutes Nicht-Tun, ein gutes Sitzen in Stiller Gelassenheit.
Ich wünsche Ihnen allen viel Freude und Gelassenheit beim „Nur Sitzen in Stillem Gewahrsein“.