{"id":616,"date":"2019-02-08T13:47:36","date_gmt":"2019-02-08T13:47:36","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.com\/?p=616"},"modified":"2019-02-08T14:11:07","modified_gmt":"2019-02-08T14:11:07","slug":"buchbespechung-zu-philosophie-des-zen-buddhismus-von-toshihiko-izutsu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.com\/?p=616","title":{"rendered":"BUCHBESPECHUNG zu \u201ePhilosophie des Zen-Buddhismus\u201c von Toshihiko Izutsu"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Buch \u201ePhilosophie des Zen-Buddhismus\u201c von Toshihiko\nIzutsu ist 1986 in \u201erowohlts enzyklop\u00e4die\u201c erschienen. Izutsu war Religions-,\nSprachphilosophie- und Literaturwissenschaftler an der Universit\u00e4t in Tokyo.\nDas Buch ist aus dem Englischen \u00fcbersetzt. <\/p>\n\n\n\n<!--more Weiterlesen-->\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p>Izutsu versucht in dem Buch, was er auch schon im Vorwort unterstreicht, eine Philosophie des Zen-Buddhismus zu erl\u00e4utern, welcher sich, alle mit Zen vertrauten Menschen werden das verstehen, als un- bzw. sogar antiphilosophisch versteht und in all seinen \u00c4u\u00dferungen eine starke Abneigung gegen Begrifflichkeit, methodisches, rationalistisches Vorgehen und Verbalisierungen erkennen l\u00e4sst. Trotzdem versucht Izutsu eine Beschreibung der Zen-Wirklichkeit, die sowohl das Menschenbild einschlie\u00dft, seine Subjekt-Objekt-Beziehung bis zur Feldstruktur streift und die Artikulationsweise zu erkl\u00e4ren sucht, mit der Zen-Geschichten, Koans und Mondos auch heute noch dargestellt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist an manchen Stellen schwierig zu lesen. Es vermittelt in einer gestuft und aufbauend gegliederte Struktur das Denken und die Weltsicht des Zen, ohne in rechthaberischer Weise durchscheinen zu lassen, alles, was Zen ausmacht, auch vollkommen verstanden zu haben. Vielmehr gleicht der Text einer Sch\u00fcssel mit hei\u00dfem Futter, um das der Leser wie eine Katze herumschleicht, erahnend, was da so alles in der Sch\u00fcssel zu entdecken sein k\u00f6nnte. Trotzdem fand ich diesen Versuch hilfreich, denn ohne solche Hilfsmittel, ohne diese Kr\u00fccken und Halbwahrheiten sozusagen, ist das Studium der Zen-Literatur aus B\u00fcchern meiner Ansicht nach ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit beginnt mit einer Untersuchung der\nSubjekt-Objekt-Beziehung, die sich im westlichen Verst\u00e4ndnis ganz anders\nversteht als dies die Zen-Geschichten beschreiben. Dazu beginnt der Autor mit\nder aristotelischen Fragestellung, die sich in \u201eWer ist der Mensch?\u201c\nkristallisiert, w\u00e4hrend Zen ganz anders fragt: \u201cWer bin ich?\u201c Der Mensch als\nfragendes Subjekt findet sich im Zen anders als in der westlichen Philosophie\ninmitten der Dinge wieder und ist Teil der Fragestellung, nicht ausschlie\u00dflich\nBeobachter ohne Teilhabe. Die Untersuchung gipfelt in der Beschreibung der\n\u201eFeldstruktur der letzten Wirklichkeit\u201c des Zen. Das verwendete Werkzeug\nhierf\u00fcr, das die Nicht-Sprache des Zen in Sprache \u00fcbersetzt, ist die\nUnterscheidung in zwei Perspektiven, einer ersten Perspektive , die der\nWahrnehmung der absoluten Wirklichkeit entspricht (die also eine Erleuchtungserfahrung\nsozusagen voraussetzt), und einer zweiten Sichtweise, die die allt\u00e4gliche\ndiskriminierend geformte Erfahrung beschreibt. In wissenschaftlicher Sprache\nbeschreibt der Text die allt\u00e4glich Sichtweise als \u201eIch sehe dies\u201c, w\u00e4hrend Zen\nin seiner Verwirklichung nur \u201esehen\u201c gelten l\u00e4sst, das sich in der Artikulation\naber wieder in ein Objektsehen \u00fcbersetzt, ohne das gesehene Objekt sozusagen\nfestzulegen. Objekte und Subjekte entstehen im Feld der Wirklichkeit (Leere)\nund vergehen in demselben ohne Grund oder Sinn. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Kapitel besch\u00e4ftigt sich mit Sinn und Unsinn im\nZen-Buddhismus, fragt, was bedeutungsvoll und bedeutungslos ist und versucht,\ndie typische Zen-Artikulation in einer sprach- philosophischen Weise\n(semantischen Artikulation) zu beleuchten. Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist das\nEin-Finger-Koan von Gu Tei aus dem 9. Jahrhundert. Der abgeschnittene Finger\nwird heute keine Euphorie mehr ausl\u00f6sen und wird auch nicht so praktiziert\nwerden k\u00f6nnen, aber als theoretisches Beispiel erkl\u00e4rt er in sehr treffender\nWeise die aus heutiger rationaler Sicht unsinnigen Lehrmethode des Zen.<\/p>\n\n\n\n<p>In weiteres Kapitel besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, ob aus\nder Artikulationsweise sich ein philosophisches Grundger\u00fcst des Zen abbilden\nl\u00e4sst. Die Frage bleibt im Grunde unbeantwortet, jedoch bleibt der Autor bei\nseiner \u00dcberzeugung, das ebenso philosophische wie auch religi\u00f6se Momente im Zen\nerkennbar sind und daher durchaus als solches gelten k\u00f6nnen. F\u00fcr ihn bleibt Zen\nein philosophisches und religi\u00f6ses System und kann daher auch so beschrieben\nwerden. Allerdings r\u00e4umt er auch ein, das sich die Thematik als \u00e4u\u00dferst schwer\nund undurchdringlich gestaltet. <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Im Kapitel \u201eDenken und Nicht-Denken durch das Koan\u201c werden\ndie zwei Traditionen des Zen, Soto- und Rinzai-Zen unter die Lupe genommen und\ndie Unterschiede der beiden erarbeitet. Seiner Ansicht nach arbeitet Soto-Zen\nfast ausschlie\u00dflich mit Zazen als Mittel der Schulung, die schrittweise und\ngef\u00fchrt zum Satori f\u00fchrt, w\u00e4hrend Rinzai \u00fcberwiegend mit dem Koan im Zazen und in\neinem pl\u00f6tzlichen Geschehen zur Einsicht zu gelangen sucht. Hierbei wird das\nKoan in einer f\u00fcr den Laien verst\u00e4ndlichen Struktur dargestellt. Diese ist aber\nimmer noch kompliziert und schwer zu realisieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Das letzte Kapitel besch\u00e4ftigt sich mit der Ausschlie\u00dfung\nder Farbe in fern\u00f6stlicher Kunst und Philosophie und wie dies die Zen-Motive\ndirekt ber\u00fchrt. Es ist eine interessante kunsthistorische Beschreibung, die\naber mit Zazen oder Zen-Meditation nur geringe Ber\u00fchrungspunkte (Ausdruck)\nzeitigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"350\" src=\"https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/SteinImSand-1024x350.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-617\" srcset=\"https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/SteinImSand-1024x350.jpg 1024w, https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/SteinImSand-300x102.jpg 300w, https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/SteinImSand-768x262.jpg 768w, https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/SteinImSand.jpg 1376w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Stein am Strand (HpS)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Alles in Allem, und ich habe das Buch jetzt dreimal gelesen,\nist Werk eine sehr interessante Beschreibung des Zen und seiner\nArtikulationsweise, die es dem Laien erm\u00f6glicht, sich mit Zen-Literatur zu\nbesch\u00e4ftigen, ohne gleich in Konfusion und Ablehnung zu verfallen, weil die\nTexte ohne das n\u00f6tige Hintergrundwissen einfach nicht zu verstehen sind. Es ist\nein Buch f\u00fcr einen hartn\u00e4ckigen, geduldigen und ausdauernden Lesecharakter, ist\nkeine lockere und leicht zu lesende Lekt\u00fcre. In der Regel erzwingt jedes\nUnter-Kapitel, das gelesen wurde,&nbsp;\nbereits nach wenigen Seiten eine Denkpause. Ich habe f\u00fcr die drei\nDurchg\u00e4nge ein halbes Jahr gebraucht, und nicht jede Stimmung war zum Studium\ndarin geeignet. Es sind 150 Seiten voller Informationen, in wissenschaftlicher\nrationaler Sprache geschrieben, und es lohnt sich, sich diese Inhalte zu\nerarbeiten. Es hat in mir viele Fragen erneut aufgeworfen, die ich als\nabgeschlossen betrachtete, andere spezifiziert, weitere in ihrer Unsinnigkeit\nentlarvt und abgeschlossen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich mit Zen\nbesch\u00e4ftigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit leeren H\u00e4nden halte ich ein Schwert, <br>\nich laufe zu Fu\u00df, aber auf dem R\u00fccken eines Ochsen reite ich.<br>\nW\u00e4hrend ich \u00fcber die Br\u00fccke Lo komme,<br>\nflie\u00dft das Wasser nicht, es ist die Br\u00fccke, die flie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst nach der Durcharbeitung des beschriebenen Buches habe ich diese Zeilen erstmals, zumindest glaube ich das jetzt noch unvorsichtigerweise, ansatzweise verstanden! <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F616&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F616&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.com\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fsperzelhp.com%2F%3Fp%3D616&text=BUCHBESPECHUNG%20zu%20%E2%80%9EPhilosophie%20des%20Zen-Buddhismus%E2%80%9C%20von%20Toshihiko%20Izutsu\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fsperzelhp.com%2F%3Fp%3D616\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Izutsu versucht in dem Buch, was er auch schon im Vorwort unterstreicht, eine Philosophie des Zen-Buddhismus zu erl\u00e4utern, welcher sich, alle mit Zen vertrauten Menschen werden das verstehen, als un- bzw. sogar antiphilosophisch versteht und in all seinen \u00c4u\u00dferungen eine starke Abneigung gegen Begrifflichkeit, methodisches, rationalistisches Vorgehen und Verbalisierungen erkennen l\u00e4sst. 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