Kategoriearchiv: Sammlung

Gedanken zur Meditation „Stille Gelassenheit“

Wir wollen uns jetzt einmal mit der Meditation in Stille beschäftigen, und dabei die Frage aufwerfen, was Meditation eigentlich ist. Ich nehme die zur Zeit für mich gültige Antwort schon einmal vorweg:

Ich weiß es nicht.

Was und wie ich meine Meditationen gestalte, ist schwer zu erklären, denn ich sitze einfach nur in einer entspannt und fest gestalteten Sitzhaltung und mache etwas, das ich nur als „Nichts“ beschreiben kann, denn der Inhalt ist nicht festgelegt, folgt nicht einer Struktur, folgt keinem Gedankenkonstrukt, keinem Rezept oder so etwas. Ich sitze da, der Körper ist still, der Atem ruhig und gleichmäßig (…das ist nicht immer so, bei Zorn zum Beispiel.), der Geist entspannt sich, ohne den Körper zu beeinflussen, und dann erfolgt irgend etwas, von dem ich bisher keine Ahnung hatte oder eben etwas, was mich sowieso die ganze Zeit schon beschäftigt hat. Wenn ich Texte schreibe wie diesen hier, wird mir das in meiner Meditation begegnen, ein paar Minuten vielleicht, löst sich dann irgendwann auf und verschwindet spurlos, um anderen Gedanken ihren Platz zu hinterlassen. Wie viele Gedanken meine Sitzung begleiten (werden), weiß ich weder vor noch nach meiner Sitzung, und ich denke auch nicht weiter darüber nach oder versuche, das in Form einer Qualitätsbeschreibung zu fixieren. Es ist für mich gleich-gültig.

Gedanken zur Meditation „Stille Gelassenheit“ weiterlesen →

Taoismus – Einblick in eine für Europa fremde Denkweise

Ich beschäftige mich seit mehr als 20 Jahren mit dem Taoismus, einer alten philosophisch-weltanschaulichen Kulturform, die im antiken China ihre Hochzeit fand. Das Daodejing, das Yijing und der Zhuangzi sind die Bücher und Schriften des antiken Chinas, die in meiner Anschauung die Hohe Kunst der Weisheit auch für die heutige Zeit verfügbar machen könnten.

Taoismus – Einblick in eine für Europa fremde Denkweise weiterlesen →

Dekonstruktion

(HS 151207) Dekonstruktion ist ein Werkzeug, keine Methode. Auch ist die Dekonstruktion keine philosophische Richtung oder Weltanschauung. Sie bezieht sich immer und überall wo sie verwendet wird auf einen Text oder eine Aussage, die einer Methode gehorchend erstellt wurde. Dabei wird versucht, die verborgenen Setzungen, Wertungen und Vorgaben, die der im Text verwendeten Methode immanent sind, aufzudecken und darzulegen. Beispiele wie das Nachfolgende gibt es in religiösen Schriften zuhauf:

(Wikipedia, Selbst) In der Bhagavad Gita, deren Philosophie auf eine praktische Anweisung zum Handeln zielt, wird das ewige Selbst als höchste und wichtigste Instanz für das menschliche Handeln angesehen. So heißt es im Dritten Gesang in Vers 17: Doch wer an seinem Selbst sich freut, an seinem eignen Selbst vergnügt, für den bleibt hier nichts mehr zu tun, weil ihm sein eignes Selbst genügt. (HS 151207) „Wer sich an seinem Selbst freut“ impliziert auch dessen Gegenteil, das heißt, dass „Wer sich an seinem Selbst nicht freut“ muss es demnach auch geben. Daraus ergibt sich, dass man sich nur dann erfreuen kann, wenn man ein solches Selbst besitzt und/oder es nicht verloren hat. Die Aussagen fordern dazu auf, sich etwas zu schaffen oder selbiges wiederzufinden. Es ist die höchste und wichtigste Instanz im menschlichen Handeln. Hier wird faktisch ein Mangel deklariert, den es zu beheben gibt; und dabei ist es notwendig, die um Hilfe zu bitten, die diesen Mangel nicht haben. Diese sind aber, wie im zweiten Teil zu lesen ist, meist nicht gewillt, etwas zu tun, da ihnen ihr eigenes Selbst genügt. Wie also ist dann diese Passage richtig zu verstehen? (Wikipedia, Selbst im Buddhismus): Der Buddhismus verneint die Existenz einer beständigen, unwandelbaren Identität, die im Allgemeinen mit dem Begriff des „Selbst“ verbunden wird. Stattdessen gilt die Anatta-Lehre – die Lehre vom Nicht-Selbst – in allen Schulen des Buddhismus als unverzichtbare Grundlage und wird als eines der drei Daseinsmerkmale bezeichnet. „Der Begriff Selbst bezeichnet eine beständige, unwandelbare Identität, doch da es, wie der Buddhismus sagt, nichts gibt, das beständig ist, und da das, was wir üblicherweise als Selbst bezeichnen, vollkommen aus Nicht-Selbst-Elementen besteht, gibt es in Wirklichkeit keine Entität, die Selbst genannt werden könnte.  Ziel der buddhistischen Praxis ist auf dieser Grundlage die „Selbst-Wesens-Schau“. Diese Beispiele geben einen Eindruck davon, was Dekonstruktion sein kann und zu leisten vermag.

ICH und SELBST

(HS 151207) Die Aufspaltung der Geistesanteile in ICH und SELBST hält sowohl einer Hinterfragung als auch einer Dekonstruktion nicht stand. Übrig bleibt in jedem dieser Fälle eine Summe von Eindrücken und Erfahrungen, die immer im ICH zusammengehen. Das SELBST ist daher nur die Projektionsfläche einer Wunschvorstellung: Dem Wunsch geschuldet, dass es etwas ewig/absolut Gutes geben müsse im Menschen. Viele philosophische und esoterische Beschreibungen verwenden die Begriffe „ICH“ und „SELBST“ in ähnlicher Weise wie man Verstand und Vernunft (Kant), Geist und Seele (Christentum) oder Ich und Es (Psychologie) verwendet. Dabei ist ICH in der Regel der Bösewicht, der in uns allen schlummert und SELBST der immer-gute, göttliche oder absolute Anteil, der jenseits aller Bewertung stehen darf. Diesem idealistischen Dualismus liegt eine begehrenswerte Einfachheit zugrunde, die, betrachtet man die Erscheinungen der Welt etwas ungefilterter, als Illusion erscheint. Neuere modernere Anschauungen zeichnen eher ein Bild der Vielheiten oder Rollen, in denen Einzelne und Gruppen aufgehen. Das ICH birgt dann aber lediglich Viele, das Selbst oder die Seele bleibt unabhängig davon in seiner Unbewertbarkeit bestehen.

Bewusstsein

(HS 151207) Bewusstsein ist der Raum, in dem Wahrnehmung, Fühlen, Denken, Erfahren, Wissen und Intuition eines lebenden Wesens stattfinden können. Dieser Raum ist definiert als die Summe aller Eindrücke, die vom bestehenden System zum Zeitpunkt jetzt verarbeitet und/oder überblickt werden können. Wird keine Bewertung der Inhalte vorgenommen, ergeben sich aus dieser Ansicht eine Vielzahl von Kategorien, aus deren Inhalten sich der mögliche Bewusstseinsraum zusammensetzt. So kann ein und dieselbe Erkenntnis aus einerseits überwiegender Wissensansammlung oder andererseits überwiegender Erfahrung erscheinen. So kann die Leseratte, die ihr Dorf niemals verlassen hat, genauso tiefe Einblicke in fremde Kulturen erlangen wie ein Vielreisender, der seine Erlebnisse in Buchform veröffentlicht, weil diese Bücher ja gerade der Leseratte als Studienmaterial dienen. Entscheidend für eine Bewertung sind die Qualitäten des Materials und dessen Verarbeitung.