Freiheit.01

Über Freiheit an sich

Über Freiheit und den Bezug zu Reformierung, Rebellion und Revolution

Wenn ich über Freiheit spreche und Wege und Möglichkeiten erörtere, diese gewünschte und (noch) nicht realisierte Eigenschaft zu erreichen, muss ich zunächst Begrifflichkeiten und Definitionen bemühen, damit ich im Gespräch mit anderen an der gleichen, allen gemeinsamen Startlinie ins Unbekannte aufbreche. Ich muss weiterhin unterscheiden zwischen Rebellion und Revolution, zwischen Selbst, Geist und Seele und vor allen Dingen zwischen der „Freiheit von…“, der „Freiheit zu…“ und Freiheit an sich. Ohne diese Begriffe definiert zu haben und ohne diese in gleicher Weise zu gebrauchen ist kein Gespräch über Freiheit möglich.

Und eine weitere Definition oder Einschränkung ist notwendig. Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob die genannten Motive allgemeingültig für alle Menschen gelten, nur für ein Volk oder eine Gruppe, oder ob es nur um meine ureigene Person geht. Ist es also meine Freiheit, unsere Freiheit oder geht es um die Freiheit. Geht es also, salopp gesagt, um die egoistische Freiheit, die heimlich in der Nacht beim Nachbarn ihre Gartenabfälle entsorgt; oder geht es um unsere Freiheit, die wir mit tödlichen Waffen am Hindukusch und im Südpazifik verteidigen; oder geht es um die Freiheit, die in den allgemeinen Menschenrechten ihren noch recht unfertigen Ausdruck findet. In den westlichen Demokratien sehen wir, die Bürger dieser Staaten, uns gerne in der weltweit fortschrittlichsten Version der Gesellschaftsformen, die uns im Vergleich mit anderen Systemen ein hohes Maß an „Freiheit“ gewährt. Ob das stimmt, oder ob das aus einer anderen Perspektive heraus auch anders gesehen werden kann, will ich hier nicht diskutieren.

In diesen Zeilen werde ich nicht über die Freiheit sprechen, die im politischen Diskurs in aller Munde zu sein scheint. Hier ansprechen möchte ich die Freiheit, die im spirituellen und persönlichen Leben eine große Rolle spielt und die selten klar und eindeutig gesehen wird. Es ist doch mehr als eindeutig, das alle systembedingten Einschränkungen und Regeln in einem Machtsystem (Politik, Recht) eine vollkommene Freiheit des Einzelnen nicht zulassen und selbst eine Größtmögliche zweifelhaft erscheinen lässt. Ich möchte trotzdem versuchen, die Möglichkeiten von „Freiheit“ besonders im persönlichen Bereich zu beleuchten.

Ist „Freiheit an sich“ für einen Menschen überhaupt möglich?

Kein Lebewesen, das in irgendeiner Weise abhängig ist von seiner Umgebung, kann vollkommen oder absolut frei sein. Das ist unmöglich, denn ohne Luft zum Atmen, ohne Nahrung und so weiter geht Leben in der uns bekannten Form nicht. Möglich erscheint mir daher lediglich eine Freiheit zu beschreiben, die eine Umwelt einschließt und voraussetzt, das in ihr menschliches Leben möglich ist. Ich nenne das daher in Distanz zur Freiheit-An-Sich die Größtmögliche-Freiheit. Sie kann nur solange und dort gedacht werden, wo eine geeignete künstliche oder natürliche Umgebung dauerhaft vorhanden ist. Das kann, wenn ich unsere Welt mit nüchternen Augen betrachte, bisher nirgendwo auf der Welt als gegeben angenommen werden. Weiterhin muss ich berücksichtigen, das jedes Leben endlich ist und permanent von Krankheit und Tod bedroht ist.

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