Ist Zen in philosophischer Weise beschreib- und betrachtbar?

Wenn wir einen vom Zen überzeugten Menschen fragen, ob Zen mit philosophischen Mitteln gesehen und beschrieben werden kann, wird er nur lachend den Kopf schütteln, und sollte er etwas dazu sagen wollen, wird „undenkbar, unmöglich, sinnlos, verkopft…“ im Text sicher eine Rolle spielen. Warum ist das so, und warum lehnt Zen als Lehre und seine Vertreter als Menschen eine philosophische Betrachtungsweise als Gerede vollkommen ab. Es scheint auf den ersten Blick so zu sein, Zen als Philosophie gesehen würde, wie im Titelbild auch schon mal frevelhaft versucht, den Geist des ICH in den Zen Kreis einfügen.

Ist Zen in philosophischer Weise beschreib- und betrachtbar? weiterlesen →
image_pdfimage_print

Meditation und Allein-Sein-Können

Die Erfüllung eines lang geträumten Ideals, dem Ideal nämlich, frei zu sein von Fremdbestimmung und Hetze,  frei von der Ausführungspflicht offensichtlich sinnloser Tätigkeiten, die Freiheit zu haben, Pausen zu machen, wenn es notwendig ist, etwas Essen zu können, wenn der Hunger sich meldet oder einfach schlafen zu können, wenn die Müdigkeit sich einstellt, diese Freiheit also ist tatsächlich für jeden erreichbar. Die Schwelle, die dazu überschritten werden muss, heißt: Renteneintritt. Es ist nicht wie befürchtet ein Weg auf ein Abstellgeleis, sondern tatsächlich der Beginn des wirklichen Lebens. Meditation und Allein-Sein-Können weiterlesen →

image_pdfimage_print

Maka Hannya Haramita Shin Gyo

MAKA HANNYA HARAMITA SHIN GYO

Essens des Sutras der höchsten Weisheit, das es ermöglicht, darüber hinaus zu gehen.

Kan-ji-zai bo-satsu, gyô jin    han-nya ha-ra-mit-ta ji,
Der Bodhisattva Kanjizai übt tiefgründig die große Weisheit als

shô-ken                   go-on kai                                kû, do is-sai ku-yaku.
er blitzartig erkennt, alles Dasein und alle Erscheinungen sind ku 1. So hilft er und rettet alle Wesen.

Sha-ri-shi, shiki fu-i kû,                                                        kû fu-i shiki,
Sariputra, die Erscheinungsformen (shiki) sind nicht verschieden von ku, ku ist nicht verschieden von shiki

shiki soku-ze kû, kû soku-ze shiki,
Shiki an sich ist ku, ku an sich ist shiki,

ju-                           sô-           gyô-        shiki,       yaku-bu nyo-ze.
Die Wahrnehmung, das Denken, die Handlung, das Bewusstsein, (und) mit diesen verhält es sich ebenso.

Sha-ri-shi, ze-sho-hô kû-sô,                  fu-shô                     fu-metsu,
Sariputra, alles Dasein trägt in sich das Wesen von ku, (ku ist) nicht geschaffen, nicht vergangen,

fu-ku       fu-jô,       fu-zô       fu-gen,
nicht ku, nicht rein, nicht zunehmend, nicht abnehmend

ze-ko kû-chû, mu-shiki mu-ju-              sô-           gyô-        shiki.
So in ku gibt es kein shiki, weder Wahrnehmung, Begriffsbildung, Handlung, Bewusstsein.

Mu-gen- ni-     bi-       zes-        shin- ni,
Kein Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Bewusstsein,

mu-shiki- shô-  kô-       mi-       soku- hô,
keine Farben, Töne, Geruch, Geschmack, Tasten, Begriff

mu-         gen-kai                    nai-shi mu-i-shiki-kai.
Es gibt keinen Bereich der Wahrnehmung u.s.w. es gibt keine Welt der „6 Bewusstseinsarten“

Mu-         mu-myô      yaku mu-mu-myô-jin,
Es gibt keine Unwissenheit und kein Erlöschen der Unwissenheit

nai-shi                     mu-rô-shi,               yaku mu-rô-shi-jin,
Entsprechend (gibt es) kein Alter oder Tod und kein Erlöschen von Alter und Tod,

mu-ku-shû-metsu-dô, mu-chi yaku mu-toku,        i mu-sho-tok[u] ko.
keine vier Edlen Wahrheiten, keine Weisheit und keinen Gewinn, also (gibt es) kein Ziel und keinen Gewinn (nichts zu erreichen)

Bo-dai-sat-ta, e han-nya ha-ra-mit-ta ko, shin mu-kei-ge,
Der Bodhisattva erhält durch diese Weisheit den (unbeirrbaren) Geist ohne Hindernis,

mu-kei-ge ko,       mu-u-ku-fu,              on-ri is-sai ten-dô mu-sô,
Absolut ohne Hindernis, ohne Furcht, trennt er sich von jeder Verstörtheit und jeder Illusion.

ku-gyô                    ne-han,    san-ze sho-butsu,
Schließlich erreicht er das Nirvana, die drei Welten der Buddhas/Patriarchen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft)

e han-nya ha-ra-mit-ta ko, toku a-noku-ta-ra sam-myaku-sam-bo-dai.
Durch die Weisheit                                       erlangen sie die höchste Erleuchtung.

Ko chi                     han-nya ha-ra-mit-ta, ze dai-jin-shu,
Man muss also verstehen, dass das „hannya haramita“ das große universale Sutra ist,

ze dai-myô-shu,               ze mu-jô-shu,           ze mu-tô-dô-shu,
das große glänzende Sutra ist, das höchste aller Sutren, das unvergleichbare Sutra ist

nô jo is-sai ku,                                       shin-jitsu fu-ko,
wodurch es möglich ist, alles Leiden zu beenden. In der echten Wahrheit ist kein Irrtum,

ko setsu han-nya ha-ra-mit-ta shu soku, setsu shu watsu
Deshalb erkläre ich das Sutra der höchsten Weisheit.       Es sagt:

gya-tei                           gya-tei,       ha-ra-gya-tei, hara-sô-gya-tei,
lasst und (darüber) hinaus gehen, darüber hinaus, noch jenseits des „darüber hinaus“

bo-ji so-waka.
zu den Ufern der Erleuchtung.

Han-nya shin-gyô.
Das ist die große Weisheit

 

 

 

 

  1. Ku: die Leerheit, der Anfang und das Ende, die Ausdehnung, Veränderung, alles ↩
image_pdfimage_print

Dekonstruktion

(HS 151207) Dekonstruktion ist ein Werkzeug, keine Methode. Auch ist die Dekonstruktion keine philosophische Richtung oder Weltanschauung. Sie bezieht sich immer und überall wo sie verwendet wird auf einen Text oder eine Aussage, die einer Methode gehorchend erstellt wurde. Dabei wird versucht, die verborgenen Setzungen, Wertungen und Vorgaben, die der im Text verwendeten Methode immanent sind, aufzudecken und darzulegen. Beispiele wie das Nachfolgende gibt es in religiösen Schriften zuhauf:

(Wikipedia, Selbst) In der Bhagavad Gita, deren Philosophie auf eine praktische Anweisung zum Handeln zielt, wird das ewige Selbst als höchste und wichtigste Instanz für das menschliche Handeln angesehen. So heißt es im Dritten Gesang in Vers 17: Doch wer an seinem Selbst sich freut, an seinem eignen Selbst vergnügt, für den bleibt hier nichts mehr zu tun, weil ihm sein eignes Selbst genügt. (HS 151207) „Wer sich an seinem Selbst freut“ impliziert auch dessen Gegenteil, das heißt, dass „Wer sich an seinem Selbst nicht freut“ muss es demnach auch geben. Daraus ergibt sich, dass man sich nur dann erfreuen kann, wenn man ein solches Selbst besitzt und/oder es nicht verloren hat. Die Aussagen fordern dazu auf, sich etwas zu schaffen oder selbiges wiederzufinden. Es ist die höchste und wichtigste Instanz im menschlichen Handeln. Hier wird faktisch ein Mangel deklariert, den es zu beheben gibt; und dabei ist es notwendig, die um Hilfe zu bitten, die diesen Mangel nicht haben. Diese sind aber, wie im zweiten Teil zu lesen ist, meist nicht gewillt, etwas zu tun, da ihnen ihr eigenes Selbst genügt. Wie also ist dann diese Passage richtig zu verstehen? (Wikipedia, Selbst im Buddhismus): Der Buddhismus verneint die Existenz einer beständigen, unwandelbaren Identität, die im Allgemeinen mit dem Begriff des „Selbst“ verbunden wird. Stattdessen gilt die Anatta-Lehre – die Lehre vom Nicht-Selbst – in allen Schulen des Buddhismus als unverzichtbare Grundlage und wird als eines der drei Daseinsmerkmale bezeichnet. „Der Begriff Selbst bezeichnet eine beständige, unwandelbare Identität, doch da es, wie der Buddhismus sagt, nichts gibt, das beständig ist, und da das, was wir üblicherweise als Selbst bezeichnen, vollkommen aus Nicht-Selbst-Elementen besteht, gibt es in Wirklichkeit keine Entität, die Selbst genannt werden könnte.  Ziel der buddhistischen Praxis ist auf dieser Grundlage die „Selbst-Wesens-Schau“. Diese Beispiele geben einen Eindruck davon, was Dekonstruktion sein kann und zu leisten vermag.

image_pdfimage_print

ICH und SELBST

(HS 151207) Die Aufspaltung der Geistesanteile in ICH und SELBST hält sowohl einer Hinterfragung als auch einer Dekonstruktion nicht stand. Übrig bleibt in jedem dieser Fälle eine Summe von Eindrücken und Erfahrungen, die immer im ICH zusammengehen. Das SELBST ist daher nur die Projektionsfläche einer Wunschvorstellung: Dem Wunsch geschuldet, dass es etwas ewig/absolut Gutes geben müsse im Menschen. Viele philosophische und esoterische Beschreibungen verwenden die Begriffe „ICH“ und „SELBST“ in ähnlicher Weise wie man Verstand und Vernunft (Kant), Geist und Seele (Christentum) oder Ich und Es (Psychologie) verwendet. Dabei ist ICH in der Regel der Bösewicht, der in uns allen schlummert und SELBST der immer-gute, göttliche oder absolute Anteil, der jenseits aller Bewertung stehen darf. Diesem idealistischen Dualismus liegt eine begehrenswerte Einfachheit zugrunde, die, betrachtet man die Erscheinungen der Welt etwas ungefilterter, als Illusion erscheint. Neuere modernere Anschauungen zeichnen eher ein Bild der Vielheiten oder Rollen, in denen Einzelne und Gruppen aufgehen. Das ICH birgt dann aber lediglich Viele, das Selbst oder die Seele bleibt unabhängig davon in seiner Unbewertbarkeit bestehen.

image_pdfimage_print

Bewusstsein

(HS 151207) Bewusstsein ist der Raum, in dem Wahrnehmung, Fühlen, Denken, Erfahren, Wissen und Intuition eines lebenden Wesens stattfinden können. Dieser Raum ist definiert als die Summe aller Eindrücke, die vom bestehenden System zum Zeitpunkt jetzt verarbeitet und/oder überblickt werden können. Wird keine Bewertung der Inhalte vorgenommen, ergeben sich aus dieser Ansicht eine Vielzahl von Kategorien, aus deren Inhalten sich der mögliche Bewusstseinsraum zusammensetzt. So kann ein und dieselbe Erkenntnis aus einerseits überwiegender Wissensansammlung oder andererseits überwiegender Erfahrung erscheinen. So kann die Leseratte, die ihr Dorf niemals verlassen hat, genauso tiefe Einblicke in fremde Kulturen erlangen wie ein Vielreisender, der seine Erlebnisse in Buchform veröffentlicht, weil diese Bücher ja gerade der Leseratte als Studienmaterial dienen. Entscheidend für eine Bewertung sind die Qualitäten des Materials und dessen Verarbeitung.

image_pdfimage_print

Ursache-Wirkung-Prinzip in der Meditation

Das Prinzip von Ursache und Wirkung ist ein Grundprinzip der Wissenschaften westlicher Prägung. In allen Theorien und allen Arbeiten wird damit festgestellt, dass die Wirkung nicht vor ihrer Ursache, sondern nur und im Maximum zeitgleich auftreten kann. Dieses Prinzip bildet die Grundlage unseres Denkens, unserer Fähigkeiten zu Schlussfolgerungen zu gelangen, unserer Hoffnung, so die Zukunft schon jetzt sehen zu können und somit Unheil zu vermeiden.
Ursache-Wirkung-Prinzip in der Meditation weiterlesen →

image_pdfimage_print

Meditation in Yoga, Zen und Buddhismus