Meditation geht nicht ohne Lehrer?

Und als letztes Beispiel möchte ich noch die hinduistische Meditation aufführen. Wie die beiden bereits genanten ist diese in den Kulturkreis Indiens streng eingebunden. Eine gute Einführung ist dazu auf https://yantrasi.com/de/blog/hindu-meditation-techniques nachzulesen, wobei hier nahezu die gesamte Yogalehre nach Patanjali aufgeführt ist:

Hinduistische Meditation ist nicht eine einzelne Technik. Sie ist ein vernetztes System von Praktiken, das über mehr als drei Jahrtausende hinweg entwickelt wurde und die Veden, Upanishaden, Yoga Sutras, die Bhagavad Gita und tantrische Texte umspannt. Diese Praktiken reichen von Atemkontrolle und Mantra-Wiederholung bis hin zu Fixpunkt-Konzentration und formloser Selbsterforschung, und sie folgen einem bewussten Stufenweg von der körperlichen Vorbereitung über geistige Stille bis zur spirituellen Versenkung. Der Grund, warum so viele Techniken existieren, ist nicht, dass sich die alten Praktizierenden nicht auf eine einigen konnten. Verschiedene Methoden passen zu verschiedenen Temperamenten und dienen verschiedenen Etappen des Weges. Das System zu verstehen ist wichtiger als die Liste auswendig zu lernen.

Von einer Lehrer-Schüler-Beziehung ist in der gesamten Beschreibung kein Wort zu lesen. Diese Meditationsweise kennt keine Meister im herkömmlichen Sinne, das lässt nämlich die Lehre gar nicht zu. Das es trotzdem Lehrer und Meister, die sich Guru nennen gibt, kann jeder der sich mal intensiv mit Yoga beschäftigt hat, bestätigen. In der Lehre allerdings werden diese als notwendig nicht erachtet. Auch ich habe hier und da schon einen dieser Mitmenschen erlebt, genossen und erduldet. Gebraucht werden diese aber meiner Meinung nach nicht. Yoga ist ein Weg der Selbsterfahrung, und ein guter Lehrer wird sich selbst immer noch als Schüler sehen. Aber Menschen wären nicht Menschen, wenn es auch anders ausgelegt werden könnte.

Lassen wir jetzt mal alle Beschreibungen, Lehren, Formen und Traditionen für Meditation beiseite und klären wir zunächst einmal die Frage nach einer Lehrer-Schüler-Beziehung. Sie wird in nahezu jeder Tradition aufgeworfen und kann so oder so beantwortet werden. Da ich nicht daran glaube, das sich Menschen göttergleich zu Höherem formen können, lehne ich die Ausdrücke Guru und Meister im Grunde genommen ab. Es gibt gute Lehrer, die sich selbst als Lernende sehen, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Aber es gibt auch die andere, weniger erfreuliche Form. Auch das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Aus meiner Sicht bleibt daher die Frage unbeantwortet. Allerdings habe ich eine Entscheidung getroffen, teils aus schlechten Erfahrungen geboren, teils aus dem Verstehen heraus, das das moderne Leben eine Schüler-Lehrer-Beziehung nicht zulässt, ohne Lehrer, Meister oder Guru dem Weg der Meditation zu folgen. Dazu informiere ich mich meinen Interessen folgend, lerne ich aus mir möglichen Gesprächen, aus Büchern, aus dem Studium der zugrunde liegenden Weltsichten, aus Religionen, Philosophien und Lehren und folge meiner Intuition, die jedes Nachahmen und Kopieren meidet und sich dem Nützlichen verschrieben hat, nützlich für mich, für mein Menschsein, für die mich umgebenden Menschen und für alles Lebendige dieses Planeten. Darüber hinaus lehne ich es meist ab, mich aktiv Organisationen und Gruppen (Ausnahme: Politische Partei: Das geht aufgrund der Größe der Gesellschaften wohl nicht anders…) aktiv anzuschließen, die in der Anzahl über sagen wir einmal einer kleinen Dorfgemeinschaft hinausgeht. Das ist wie vielleicht bekannt die Größe einer Gemeinschaft, die der einzelne Mensch noch überblicken kann. Alles darüber hinaus übersteigt meiner Erfahrung nach die menschlichen Fähigkeiten, die ein Eingebettet-Sein noch zulässt. Aber hier mag es je nach Mentalität unterschiedliche Ansichten geben. Ich für mich habe so entschieden:

Ich halte in der Meditation eine Schüler-Lehrer/Meister/Guru-Beziehung nicht für notwendig. Durch die modernen Medien sind nahezu alle Lehren, Traditionen, Weltsichten und Philosophien für jedermann zugänglich und können studiert werden. Durch diese Breite der Information ist es möglich, sich für sich selbst eine Methode der Meditation zu gestalten, die passend und brauchbar ist. Und ganz gleich, welches Zielvorstellung diesem Tun auch unterlegt wird, sie kann von Erfolg sprich Nützlichkeit gekrönt sein. Meditation führt nicht zu Höherem, zu Göttlichem, zu Erhabenem, sondern sie führt lediglich zu einem besseren Verständnis seines In-Der-Welt-Seins, ent-täuscht im alten Sinn des Wortes, entwickelt und formt Klarheit im Denken und Handeln. Und das ist meist nicht mehr, sondern weniger an Illusion als gestern noch. Meditation führt zum Verlust dessen, was man für ein glückliches und zufriedenes Leben ganz und gar nicht braucht. Und das genügt meiner Ansicht nach vollkommen.

Nun sitze ich zu Hause schon lange nahezu jeden Tag mindestens eine Stunde in einer kreuzbeinigen Haltung. Wie ich meditiere (Stille Gelassenheit), habe ich in diesem Blog bereits mehr als einmal beschrieben, und ich werde dieser Methode auch weiterhin folgen. Und was ich im meiner Meditation sehe, erlebe und wahrnehme, ist sehr persönlich und muss nicht kommuniziert und noch weniger von anderen bewertet werden.

Aber eines möchte ich noch loswerden: Die Inhalte meiner Meditation sind oft nicht erhebend und glänzend, sondern am Ende eher lustig mit mir selbst als Komödiant und daher mit einem leicht bitterem Nachgeschmack. Aber es gibt auch anderes wie Weite 1 und Stille 2. Ich mag beide Erscheinungen, denn sie erzählen etwas über mich selbst aus mir selbst. Ich muss fortan nicht mehr glauben, was man mir sagt, sondern kann selbst erleben, was mich wirklich bewegt und prägt, im Positiven als auch im Negativen. Erleben ist im Gegensatz zu Wissen 3 immer ist der erste Schritt zu möglichen Veränderungen und Anpassungen.

Sitzen, den Körper ausrichten, zurücklassen,
Atmen, den Atem einrichten, loslassen,
dann unendliche Weite, fallen.
Plötzlich, aus dem Nichts geboren,
erscheint ein Gedanke,
ihn wahrnehmen, ihn nicht berühren,
ihn zurücklassen, wieder eintauchen,
dann zeitlose Stille, fließen.
Es sitzt, es atmet, es denkt,
alles ist wichtig, alles ist gleich,
und doch: Es berührt es nicht.
Es ist freies Sein.
(sperzelhp)

  1. Weite ist hier gemeint als der Wegfall des körperlichen Ausdrucks von Enge, Schuld und Sorge. ↩
  2. Stille ist die Abwesenheit von Zeit und Dauer in der Wahrnehmung. Sie wird erkannt durch die Beobachtung, das sich die Meditationszeit und die Gedankenfülle als viel zu kurz bzw. klein wahrgenommen wird, obwohl sie wie immer 25 Minuten betrug. ↩
  3. Alkohol und Rauchen ist ungesund. Alle wissen das mittlerweile, trotzdem wird dieses Wissen nicht umgesetzt. ↩
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